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Montag, 06. September 2010

Enquete: Kinder brauchen Elternzeit

v.l.n.r. Alexandra Lugert, GF Österreichischer Familienbund

Familienbund-Enquete „Kinder brauchen Elternzeit“

 

Die Zeit die Familien miteinander verbringen, nimmt aufgrund unseres immer schneller werdenden Lebenstempo ab. Deshalb hat der österreichische Familienbund die Kampagne „Kinder brauchen Elternzeit“ ins Leben gerufen. Im Rahmen dieser Kampagne fand nun die Enquete „Kinder brauchen Elternzeit“ mit Staatssekretärin Christine Marek und hochkarätigen Diskutanten statt. Damit setzt der österreichische Familienbund ein Zeichen, wie wichtig von Eltern und Kindern gemeinsam verbrachte Zeit für die Entwicklung des Nachwuchses ist: ganz gleich, ob diese Zeit in Form von Geschichten vorlesen, von miteinander reden, spielen lernen, essen und, und,….verbracht wird.

 

Die Bedeutung einer stabilen Beziehung zwischen Eltern und Kindern betonte auch Staatssekretärin für Familien Christine Marek in ihrem Eröffnungsstatement. "Jede Kompetenz des Kindes fußt auf der Beziehung der Kinder zu seinen Eltern." Dazu brauchen, so Marek weiter, Familien Zeit. Eine gute Vereinbarkeit von Familie und Beruf kann die Rahmenbedingungen schaffen, um das Familienleben entsprechend zu gestalten. In diesem Zusammenhang sei eine familienbewusste Personalpolitik von größter Wichtigkeit. Eine Studie habe gezeigt, dass Familienfreundlichkeit in Betrieben den Betrieben Geld spart: Krankenstände sinken, die Fluktuation verringert sich und die Rückkehrquote aus der Karenzzeit ist sehr hoch.

 

Wird in aktuellen wissenschaftlichen oder populären Diskursen über Familie gesprochen, so spielt das Thema Zeit meist eine zentrale Rolle, erklärte die Präsidentin des Österreichischen Familienbundes, LAbg. Andrea Gottweis. Ein für alle Mitglieder zufriedenstellendes Familienleben benötigt ein Mindestmaß an gemeinsamer Zeit. Aufgrund umfassender Anforderungen aus der Erwerbswelt erscheint es zunehmend schwierig, gemeinsam Zeit in Familien zu verbringen bzw. ausreichend Zeit für gemeinsame Gespräche und Aktivitäten zu finden. Die elterliche Berufstätigkeit wird zum Taktgeber der Eltern-Kind-Beziehung und des gesamten familären Tagesablaufes. Dieser ist häufig durch Zeitknappheit, Zeitkonflikte, Zeitstress und Zeitdruck gekennzeichnet. „Die Ursachen kennen wir alle: Das sind einerseits die Intensivierung von Erwerbsanforderungen für beide Elternteile, sowie zunehmende Entgrenzungsprozesse zwischen Erwerb und Familie und andererseits eine zunehmende Verplanung der kindlichen Freizeit. Neben der Schule wird oftmals an Kursen, Mitgliedschaften oder anderen regelmäßigen Verpflichtungen teilgenommen“, so Andrea Gottweis. „Eltern brauchen ideelle und informelle Unterstützung für ihre so wertvolle Arbeit als Familie. Sie sollen die Möglichkeit sehen, Mut zu fassen und sich viel mehr auf ihr eigenes Gefühl, auf ihre Intuition zu verlassen, sich auf ihre natürliche Autorität und auf ihr Selbstbewusstsein zu besinnen“, so die Präsidentin des Österreichischen Familienbundes.

 

Michael Fritz, der Geschäftsführer des Transferzentrums für Neurowissenschaften und Lernen an der Universität Ulm stellte in seinem Fachvortrag anschaulich dar: Eltern haben eine große Verantwortung, wenn es um die Bildung ihrer Kinder geht. Die positive Beziehung zu den Bezugspersonen ist entscheidend dafür, ob Kinder zum Lernen aktiviert werden und interessiert sind. Die emotionale Beteiligung beim Lernen von Vorbildern ist ein entscheidender Faktor- im positiven wie auch im negativen Sinne.  Die stabile Beziehung zu ihren Eltern stärkt Kinder fürs Leben. Die sprachliche und die persönlichkeitsbildende Entwicklung werden davon geprägt. Diese Beziehung braucht Zeit. Sinnvoll verbrachte Zeit. Der Medienkonsum, wie er sich jetzt bei Kindern und Jugendlichen darstellt, nimmt oft zu viel Platz ein. Gesellschaftsspiele bieten hier die sinnvolle Möglichkeit, nette Stunden in der Familie zu verbringen, in denen die Kinder viel lernen, weil sie Spaß haben.